Lyrik

Aznavour

 

Aznavour

 

Notizen aus der Zone NoNo

 

0=Nullnummer

 

„Ach , Ihr wart an der Côte d´Azur ? Und ? Habt Ihr auch“ ( Eure verdammte Pflicht und Schuldigkeit getan und) „St.Paul-Vence besucht ? ja ? Ja ,das  fanden wir ja auch sowasvon schön !“

usw .

Sobald wer sagt , man teile meine Wertschätzung von StadtLandFluss , weiss ich : Man nimmt mir etwas weg . Schön finden kann ich nur , was ich alleine schön finde ? Bedenklich…. , dazu später .

Etwas schön finden , ist Arbeit . Individuelle Arbeit . Ich leiste da ein Schön-Finden . Wer behauptet , auch er/sie/es fände XY schön , nimmt  von einer Arbeitsleistung etwas weg  , macht sie quasi überflüssig : „ Dann hätte ich es auch lassen können“ .

Aber …( höre ich dann ) Du betonst doch die Pflicht der Kunst zur Evidenz . Der Künstler müsse nicht mehr im Nachhinein und ausserhalb seiner Schöpfung beweisen , dass sein Produkt  gelungen sei ; es liege doch in den Qualitäten des Werkes selber …

Wie ist es da mit den großen Evidenz-Herstellern ?

Sagen wir : JSBach ? DU gehörst doch zu den ganz großen Beweglichen( =die Bach bewegt ), nicht zuletzt oder sogar am meisten dadurch , dass hier Menschheitsempfinden ausgedrückt wird , die Menschheit in einer Appellation erst als Ganzes , als Brüderlichkeit erfahrbar wird ? Dir kommen doch

bei jeder H-moll-Messe unweigerlich die Tränen …

Und da betonst Du den asozial individuellen Zugriff auf ästhetisches Material ?

So oder ähnlich neulich das Gespräch unter Grundschullehrern

zum Problem des Over-Tourism. Und das Bedürfnis nach einer nicht –okkupierten Zone .

 

1

Langres .

Die alte Festungsstadt auf einem Hügelrücken in der Champagne , deren gut erhaltenes , großzügiges Lebensangebot nur noch sparsam wahrgenommen wird :

In jedem ehedem prächtigen Stadthaus wird nur noch eine Etage bewohnt : Soviel verschmähte überreich angebotene Lebens-Höhle …

Straßenlaternen daselbst in einer farbig am Leben gebliebenen Daguerrotypie , deren französische Kleinstadtidylle Simenon hütet .

Einbahnstraßen-Kreisellogik , Verkehr vorbei am Café  , enge Bürgersteige führen zu Bürger-Kollision ? Nein , zu Kooperation .

Die Wälle und Hôtels : Beflügelte Stadtpaläste aus dem Diderot-Jahrhundert .Man wünscht diesen edlen Kulissen nicht mehr Publikum , sondern mehr Mitspieler !

Langres darüber hinaus : Eine One Man One Hit- Show : Hier gibt’s die Diderot-Alles –Monokultur .

 

2

Das Lieblingshaustier des Narzissmus ist nicht der Pfau ! Eher der Piranha . Egal in welches Wasser Du trittst , in welche Luft Du Dich einatmest : Dein Wappentier ( und das der Anderen ) ist schon da und beisst Dich aus . Soviel zum Ende der Arbeitsteilung in der Kunst : Jeder ist Picasso , und……

 

Einheizer wohin man sieht

sie waren immer schon vor Dir da

folgen Dir gern auch auf dem Fuß

 

Einheizer sind alle Unikate

können jede Art Karate

bohren alle ein Loch in dem Sieb

 

in dem für Dich nichts übrig blieb

 

3

Und die Frauen zu Langres:

Ach…. man wollte sie doch ALLE vögeln !

Von den Höhen und den Weiten

meiner imaginären Zuständigkeiten

ließe sich das schon regeln .

 

4

Der Mond eine grelle freundliche Himmelslaterne über Mirmande , das sich von der Bergkirche den Hang hinunter-zieht , der Ort ein kleiner Lichter –Fußabtreter unter den Hügeln . Lichter-Lava unter den Bergkuppen .

Da , am nächtlichen Berghang , plötzlich ein Glühwürmchen : Autoscheinwerfer arbeiten sich ab an den Serpentinen ( ich unterstelle Serpentinen ) , das Licht kommt und geht und wird schwächer und rücklichtrot . Ansonsten alle Bergrücken in menschenleerem Nachtdunkel schwarz verlassen , voll Schweigen , voll unbekannter Achtung .

Berge des Drôme  , Vulkansuppenbrocken ; ein kalter Sonnenwind geht über die goldgelbweise Heuernte , die Strohrollen . Hiesige Keramik-Manufaktur zitiert diese Farben .

 

5

Baie des Anges

 

Triumphator Blau , Blau als ZielZielZiel

der Evolution , Himmelsblau ,

Wassertiefenblau .

Lapislazuli Diamantsplitter wie Sternenstaub ,

blitzendes Espenlaub .

 

6

Der Maharadscha ( drunter tun wirs nicht ) lässt immer noch mehr kleine Edelsteine in das Diadem einpassen : Die Häuser , die in die Nischen rund um die Baie des Anges eingehängt werden . Die Welt vor dem ( Sie wissen schon ) Sündenfall . Beton machts möglich , wie ein Kaugummi unter der Tischkante oder Schwalbennest vermittelst Vogelspucke ; im Beton Rostspuren von Moniereisen : das Meer tut also ausser Fernblick und Brandung  auch noch Feuchtigkeit dazu , Briefmarken leckend . Hämische Balkone ! Mein Blick will noch weiter , ist noch sonnen-saugender …Dazu ein bisschen Neugotik mit Sindbad , gezielt grenzwertig geschmack-wise . Darunter heruntergeschachtelte Waben mit Parkplatz : Oben  , unter privilegiertem Himmel , auf Serpentinen- Straßenhöhe.

 

7

Sie war deutlich jünger als er , entsprechend neugieriger , vertraute auf ihren `einmal reicht…. und weiter ´ Sammler-Sinn . ER wollte immer wieder nach  …verzweifelnd an seiner Prägekraft ; immer wieder verging diese Begegnung mit…und nichts blieb .

Sie sagte : Unsinn , alles bleibt .

Ein Fall für den Sexual-Therapeut , sagen Sie ?

 

8

Die Alternative zu Saft-und-Kraft-Ocker und Gelb ( als spuckte da wer Blut ) : Die Alternative : Ein Badezimmer in Leichtgrün-Pastel . Mit elastischer Konfrontation der Sonne ( wo die anderen Farben den Crash suchen ).

 

9

Jeunesse Dorée im Abendrot . Sei nicht eifersüchtig , Schatz und Eheweib , ich will nicht diese da ( obwohl sie atemberaubend ist ) ; als sei der große Moment gekommen , allein durch die Wahrnehmung: Ein Auftritt ) ich will nicht diese , ich will alle . Diese (obwohl , wie ich schon sagte …)habe ich in vielen Filmen gesehen ; die Uhr tickt , warum erzählt man sich die  bitteren prosaischen Wahrheiten , die man sich bietet . Wieviel Prosa wird Deine noch 60-jährige Lebenserwartung geben und hinnehmen ? Ach ja , irgendwann Kinder .

 

10

Die Corona-bedingt Masken tragende Gesellschaft imitiert – schon aufgefallen – die Schnuller-Treue und-Wollust der Babies .

 

11

Boulevard Carnot , zweispurig die Steilhänge entlang , zweispurig nur , aber mit der Verkehrsdichte einer Autobahn .Wie Wisch und Weg in die Hänge gehängt : Beton-Girlanden , geizend mit dem Zentimeter , dafür planquadratisch Meilen von Seeblick . Die Betontreue wie ein anliegendes durchgeschwitztes Hemd .Monte Carlo wie Manhattan , Straßenschluchten mit senkrechtbetonenden Ausrufezeichen überall .Wenn die Erdbevölkerung eines Tages raumsparend  auf Mond oder Mars untergebracht werden muss…soll sie es da auch schön  haben . Singapore Hongkong Monte Carlo .

 

12

Der Gelenkbus knarzt und quietscht in den Kurven , als ob Kleinkinder durch eine Obstpresse gequetscht würden .

 

13

Wer so eine Frisur ( wie die da )hat , meint alles ( aber auch wirklich alles !) auf eine Karte setzen zu müssen .

 

14

Menton , Place aux Herbes . Arkadenschutz-uterinesk ; wo die Arkaden aufhören , fangen die Platanen an ; wir deren Schützlinge . Deren Blätter malewitschmäßig fast weiß , wo besonnt  , fast schwarz(grün ) , wo ihre Unterwelt beschattend .

 

15

Überzüchtet , diese Franzosen ! Ihre Bergsiedlungen mit Blick auf Tahiti . Frauen mit unglaublicher Gegenwart oder Vergangenheit : Gegenwart ? Ihre Garderobenschränke stehen unter Drogen-Depot-Verdacht ; Suchtgefahr ! Kokain ! dosis-steigernd . Jeweils irgendwie unerhört , jeweils ausartend in einer Welt der Unschuld .

 

16

In Frankreich wäre man gerne britischer Aristokrat . Sich die Schatten zurechtkuscheln !

 

17

Balkone ,  um die großen Neubau-Riegel gezogen wie Festkränze :Tanzflächengroß, gefliest , ein Geben und Nehmen , die Meeressicht wie Sehnsuchts-Katapult ( aber was soll da schon vom Meer kommen , 2020 ?) , offers you can´t refuse .

Die Häuser konkav weg ! von Girlandenstraße und Bucht , angeschmiegt an den Fels , elastisch im Spiel mit Mare Nostrum . Balkone im Wühltisch-Gebot .

 

18

Alle Herbstfarben als  Sonnenblüten im Angebot ! ( Place Garibaldi , Nizza ) Alles in Butter , sozusagen . Gelbe carrées  mit grünen Fensterläden , kasernenhaft durchgezogen fröhlich bzw.gelassen bzw.warum nicht . Am Nebentisch turnt eine kurzberockte Quasi-Nudistin um ein Tischbein , in Gesellschaft ihrer gichtigen Oma ( oder  Bordellchefin) . Wie in Verona zu Zeiten von Julia und Romeo .

 

19

Lounge Music ,

ein Hauch Unaufdringlichkeit , also nicht zeitgemäß ,

Musik als Nicht-Person ;

die Welt quasi non-grata ;

die Lounge in Diskretion

Lounge Music zieht  sanften Schluss-Strich ,

worunter noch mal ?

oder Anführungszeichen , alles ist Zitat .

Der Kenner genießt und schweigt

in Balance nach diskreter Wahl .

 

Plätscherndes Saxofon !

sich aus dem Staub machend , das Schlagwerk in Perlen-

ketten , ein Piano als Teppich der sanften Geheimnistuerei ; Leben als Galanterie-Ware .

 

Robinson hat einen festen Freund  :

Die Improvisation !

Hier passt alles , ist alles da schon .

 

20

Die Wollust des sich gleich-rasieren-Könnens ,

am verdienten Nachmittag : Finale :

Die beste Phase des Rennens .

 

21

Frauenkörper

spreizen Beine auf Vespa oder Scooter ;

für mich unter Gewitterhimmel

wie Reise des Ibn-Batuta .

 

22

Apropos : Das Mahlwerk der Stadt : Alle Arten von 2-Rädern , Säge und unversöhnlich , Kinder-Knatschen  , gemeint als Duftmarke der Testosteroiden .

 

23

Nizza undoder Alexandria

ein Laufsteg

in Schmetterlings-Verfallszeit

weiß nicht warum ich mich so aufreg

die Schnappschuss-Parade

niemandes Schade

dem Paradies recht nah

in Alexandria und oder Nizza

ohne Copyright

bin hier arm doch ohne Neid .

 

24

Bei dieser Schönen der Schwerpunkt :

Ein Lippenstift der Emphase !

Ausrufungszeichen ! Einfallschneise

fürs Platzen der  Wertpapierblase .

 

Ich vermesse

Ohrring…zu Hüftgewand …

Lippenstift …zu Schulter…

Striemchen ..zu Sonnenbrand

 

Ägypterinnen mit

konzentrierter Nase

im Profil ….ohne je

Versprechen von Ekstase .

 

Sieg-gewohnt-gelangweilt :

Die Göttinnen vom Strandboulevard

grübeln : Gabs mal ne Zeit

als ich nicht so siegreich war ?

 

25

Man sitzt hier und will nur nen Kaffee

lüstern kommt Kellner mit Lunch-Karte

zieht beleidigt von hinnen

sein Rücken sagt : Na…warte !

Im Café auf Boulevard….

Stalingrad !

wohl dem der bei Namenswahl

die Qual der Wahl hat .

 

26

Und dann …..

der Trend zum Karriere-Knick :

 

Mehrfach-Mütter schiebend Kindergefährt

zerrend bewältigend Strandspielzeug  .

Mehrfach versenkt und  beschwert !

Wenn da nicht die anderen Mütter rechts/links

( Kinder bäuch-und rittlings

vornevor hintendrein

auf Strand und Bürgersteig

meiner kann noch lauter schrein )

auch mitschöben

zerrten , am Säugling kleben:

Man käme glatt auf Sinnfragen

wär da nicht der Kinderwagen

Mutterglück

hin und zurück

zum Strand auf die große Bühne

in kleiner Glücksroutine

nach Männer-Zähmungstrick

hier stellt sich die Sinnfrage nicht

diese Existenz ist wasserdicht

wo Mütter glucksen glucken glücken schuften

Berufsberatungstipps : Verpufften .

Beratungsresistent /verpennt

Und später heißts :Ja die Frau Mama

hat so viele Opfer gebracht

so viele aus der Kinderschar

zu Opfern und Geiseln gemacht .

 

27

Freier Blick auf Rücken und BH-Geschnalle

unterhalb der Schulter

das hält alles eng und stramm

oh Breitengrad ( nullter )

 

straff drall agil

das Ding zu lösen

wäre die große Tat

verlang ich zuviel

 

vom Schnallverschlussbügel

dem Echtzeits-Siegel

 

28

Der Bart , erst recht  der Schnurrbart : Unterschrift unter einer Kapitulationsurkunde . Die Augen eines Schwarzen hinter der Maske : Wie ermüdet . Eine Schulklasse in der Tramlinie 1 , höflich und lieb . Überhaupt : Wieviel Liebe , häuslich pro Haus , hinter den Kindern .

 

29

Harte Arbeit , hier im Café  Straßen-und Marktszenen zu klon(dikisier)en , Nuggets zu wittern , finden , kategorisieren . Das Leben besteht auf leben , insistiert auf  : nein ! Verwechsle mich nicht .Ja, ich bin ein neues Blatt . Ja , alles ist Vektor . Familien , die Erlebnisverwaltung , je nach Orgelpfeifenstatus Variationen über 1 Thema , Öffnung und Schließung .

 

30

Gelangweilte Aristokraten überraschen wir bei großem

Können ! Haarscharf vorbei an – ja , was ? –lungern .

 

31

Fondacion Maeght in Vence  .Japanischer Garten mit weißen Kiesstraßen , als Weinbergterrassen angelegt ; Zedern und Steineichen perforieren den Horizont ; Berge unter Gewitterschwaden . Wasser-Bassins mit hellgrün klarem Boden . Die Kunst ist hier  Geiselfremdkörper , gehalten von freundlichem Infantilismus ; Kunst im Endstadium : Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder oder wie die Mirós . Sonne im sanften Nachmittag , weggeschattet ; Zikaden juxen .Die Kunst ist ausgekünstelt .Dienstschluss im Kindergarten . Ansichtssache. Sinnbrache . Dass ich nicht lache .

 

32

Der Blechbrunnen in der Fondation : Röhren à la Leger nicken und  sinnen ; die Wassertraufen spiegeln sich in blauer Keramik . Sauber ! Röhren ist silber .Die Wasser laden mich auf , besänftigen mich zum Begehren .

 

33

Schlaflosigkeit in Schieflage ,

in Habacht Schlagseite ;

noch ist Ruhe im Garten

zu Psycho und Ego-Pleite

 

wo die Vögel bis 5 Uhr warten

turnover burnout

bis der Morgen graut

alle Arten von Warten

Insomnia Blues

alles auf Anfang zu Fuß

Seins-und Sinnfrage

alle Arten von Warten

auch auf den Rentenbescheid

aus Hinterzarten

 

34

Die Felswände der Baie in Villefranche : Fjordschroff verschrammt , humorlos stülpt der Berg sich auf kürzestem Weg in die Rade ; aus Versehen lässt der Sturz hier und da  einen Schrebergarten für einen Park oder ein Maurenschloss .

 

35

Im Park der Villa Ephrussi ( nein , nicht : Jurassic Park )

 

die Schönheit hier

Kokain

für Pauschal-und Individualreisende .

Neuschwanstein , jumelé avec..

 

und Rokoko für alle , der Pudel unter den Parks !

dies ist die Mozartschleife ,

unkaputtbar , unter den Parks der Star .

Und draußen vertäut eine Dschunke unter Sonnensegel

Millionärs-Yacht

vektoresk gezogen übers Meer hierher

die Wetterlage stabil seit April

Sonnengelb und Meeresblau

bleichen die Welt-und Felsenseiten

( auf dass Dichter Lobendes drüber verbreiten . )

 

36

Unverkitschbar das Ganze !

Die Expedition kehrte unverrichteter Dinge zurück .

 

37

„Ja , da möchte man doch wirklich

noch mal richtig zu-begatten

( bei jener kleinen Proust´schen Schar )

ganz ohne Zwang=

aus freien Stücken“:

 

Sagte der Tuberkulöse

( zur Heilung hier ):

„Ich suche die

überraschendste Möse .“

 

 

38

Schönschönschön die Schöne

dass ich mich dran gewöhne

die große Schönheits-Verschwörung

sozusagen in Beweislast-Umkehrung .

 

39

Gesichter in hiesiger Abendsonne , im Café , im Bus : Sie haben Teil an so viel ästhetischer Wahrnehmung , märchenhaft Paradiesischem : Man erwartet , dass sie alle einen kleinen Gloriolenschein aus sich sprießen lassen .

 

40

Sprachkiesel : Der Professor, immerhin führender deutscher Stendhal Spezialist  , versteht fast nichts vom Gespräch der Einheimischen am Nebentisch . Deren Sprache erscheint ihm abgeschliffen , ein Kiesel rundum , hart und rund , rund aber hart .

 

41

Ein Mann , etwa 35 , nackter Oberkörper , unterwegs mit einigen Kumpels in der Fußgängerzone der Rue de la France ; beide Arme jeweils in Schulterhöhe amputiert .                                          Hier ist eine Ausgeh-Hölle an der anderen . Geht alle nach Hause ! nein , Ihr habt Euch gar nichts zu erzählen !Und diese Hingucker von Frauen : Egal wie umwerfend Ihr Euch stylt , orthodox oder esoterisch : Am Schluss feiert Ihr Hochzeit mit irgendeinem Durchschnittsmacker , der nur ein Mal in seinem Leben triumphiert .

Die Diven haben allerdings vorher täglich geduscht in den saugfähigen  Bettvorlegern einer Blick-Allgegenwart , erst Spiegel , dann Esplanade . Rocksäume flatternd und rutschig unbehaust auf der windigen Promenade des Anglais . Hisst den Jolly Roger !

 

42

Er war einfach der geborene…Museumswärter .Schon mit 40/30/20  schraubte er sich , spätestens  mit 15 oder 10 , in den Uterus zurück .

 

43

Bienenwabengleich die Riegel der Appartementblocks über der Bucht von Villefranche , gestaffelt rücksichtsvoll , jeder auf der Schulter des Vordermanns , keiner versperrt dem Anderen die Sicht auf das ligurische Blau: Eine Bewirtschaftung des Ausblicks . Nur vom Kreuzfahrtschiff aus hat man  das ganze Bild  im Blick auf die Zuschauerränge .

 

44

Franzosen : Ein krach-affines Volk . Unseren täglichen Krach gib uns heute . Was man auch alles hätte werden können . Was einem alles erspart blieb , wofür man sich noch Zeit ausbitten möchte . Wunschkonzert und Solidaritäts-Gottesdienst .Alle Menschen sind schon Brüder :

Hier . Die Auflösung unseres Freitags-Rätsels . Der große Mittag als Hochplateau . Und vergib uns unsere Geheimnisse .

 

45

Wenn Beine und Decolleté stimmen , bleibt noch die  Prüfung der Zähne . Lächeln geht schließlich nur mit ihnen ; und wie/worüber lacht Frau da gerade  ?

 

46

Ein gutes Hafen-Café vermag es …verändert die monoglotte Belästigung durch die Mit-Deutschen am zweiten Nebentisch ; und Holländer und Amerikaner , auch hier , genießerisch verteilt in die Quasi-Familie der `99 Tage von Peking ´( filmisches Machwerk von 1965 , dringend ansehen  ).

 

47

Auf der Reede ein Frachter , inmitten der Yachten ; der Yachten einlädt und sie weit übers Meer an einen anderen Hot-Spot transportiert . Man muss flexibel sein .

 

48

Côte d´Azur als Antwort auf Potenz-Probleme : Ein lauwarmer Schwamm als Passepartout , Schwamm drüber , Erstellung einer Knautsch-Zone ; eine Souffleuse .

 

49

Ein Mängelberuf hier/nur hier ? :

Educateur et Comportementaliste Canin . Diplôme d´Etat .

 

5o

Das Leben ist so endlich ! Das Licht auf der Restaurant- Toilette wird kurztaktisch zeitrationiert . Von der Klobrille aus wirft man sich so hektisch wie möglich in Karajan-eske Motorik , um die Lichtschranke zu betören : Es werde wieder Licht !

 

51

Der Pariser Ur-Meter , neu hervorgerufen in Corona-Zeit etwa im Geschäft . Wehe dem Übeltäter !Maske in Blau …weiß oder grün , fast wie in Venedig damals das Spiel um Verrätselung .

Der Filter eine Art Reuse ,

störe nicht mein Kreise .

Maske in Blau ,

Kind Mann und Frau .

(Über der Maske rollen die Augen ).

Im Bus-Gerucke

keine Chance der Spucke .

Maskenball

im Corona-Jammertal :

Diese Schlampen ! denen wir den Schlamassel verdanken !

 

52

Dichter ! diese ..

Konsens-Aufkündiger

vollhalbviertel Selbst-Entmündiger

Gute- Laune- Bestrafer

sie sprechen in Rätseln

notorisch auf der Flucht vor dem/in den  Zeitraffer…

man sollte sie metzeln

sie sehen und hören

weiter und mehr

im Umgang sowasvon schwer..

 

53

Das blaue Meer ein glattes weites Laken , Lust auf lauter Ja! Ja! Ja! Jauchzen . Hinter der nächsten Kurve Sonnenwurf und Lametta ,in grellen Lamellen , Rebellen suchen nach dichten Stellen , Halt gefunden in Stromschnellen .

 

54

Unter einem der Art-Deco-Werbeposter für die mondänen Feiern an dieser Küste steht kleingedruckt , aber nicht kleinlaut :Der Eintrittspreis käme u.a. auch den `Gueules Cassées ´ unter den Weltkriegsopfern zugute .

Ende der Durchsage .

 

55

Photographenpest ! Wie hier vor dem Bettler , in je neue Photos taumelnd , im Photographen-Chor Credo-beflissen . Ich , der Bettler . Irgendwo links unten im Bild , tüftele über meinem Lottoschein .

 

56

Villa Ephrussi : Inmitten und als Folge all des Rokoko-Gipses : Vergewaltigungs-Lust . Ach wäre all dies ein Streufeld von Resten nach einem Vulkan-Ausbruch . Und ich wäre der schliemannsche Scherben-Experte !

 

57

Schatzinsel-Ausblicke

 

auf eine Hispaniola

im Golf da unten

Zikadenheimspiel Tribüne

Laken-Weite

lüsterne Tunten

auf Otaheite

Rokoko-Konkubinen

an Bord ein Lager-Koller .

 

58

Im Ephrussi-Park

 

Ästhetische Bankrott-Erklärungen

schleichen durch Museum und Park

(so sie dazu noch sprechen )

äußern sich i.G. anerkennend

u.a. zu chagall ( mark ) .

 

Durch diese Gärten wandeln

wandelt die Menschen zu Guten !

Die dauerhaft Schlechten ( die Dichter )

bannt auf die Aleuten !

 

Ein Garten besänftigt begütigt

mein Denken zu Beinah- : Gebet

wuchert  verschenkt sich verschwendet

da denkt sichs von selbst  an Diät !

 

59

Ein weitestes Amen sagen

Wagerechten wagen

sich wagerechtestens dehnen

Wunden fast ersehnen .

 

 

6o

Gitarrengriffe morgens , ein Fliegenfänger , Rekonstruktion .

 

61

Zauberberg unter Wolkengebirgen , Kongregation blauer Walfischrücken ; je nach Loch im Wolkenflausch . Hinter den Bergen bei den 7 Zwergen : Man denkt : Da kommen die nie drauf , hier in den Verlegenheitsweilern wären die Bankräuber sicher .

In Tintenblau und Greco-Silber ordnen sich Wolken und Schroffen auf Dich zu , als wollten sie dich in eine Grotte saugen .

 

62

Villefranche

 

Fettschmatzendes Pastell in Senfgelb und Ocker , wie getunkt in Bestand , wie getränkt in Antwort , sonnenschmatzig schattenbrütend . Soviel Aufhorchen und Zustimmung war selten .

Französische Autos mit Bodenhaftung , französische Laute . Als ob sie im Puzzle die passende Stelle einnähmen .Schatten belegen Alibis .Kein Mindestabstand an der Waterkant .

Am Anlieger elastisches Boote-Schwappen .

 

63

Unsere Villa in Nizza ist verkehrsumrauscht , eine Lebens-Sammelkiste allerseits . Obendrüber geduldiges Himmelsblau , wir durchsonnt besegelt .

Nizza : Das LA ( Los Angeles ) am Mittelmeer , auto-tohuwabohu mit Menschen drein gefügt .

Ich unterstelle , was ich Wüstensöhnen immer andichte : Die Balance kultiviert Gedächtnisverlust : Was ist wichtig , was nicht …weiser , anders als bei uns . Die Wolken dunkeln jetzt auch , haben genug gesehen und ziehen aufs Meer hinaus .

 

64

Ein Stadtbalkon zum Garten raus , vis à vis ein gemütlich dicker exotischer  Bananenbaum ; um die Ecke Krach : Besser gar nicht erst nachsehen . Es ist die Küstenstraße nach Villefranche um den Mont Buron herum . Lärm-Mosaik : Jeder Kracher scheint scharf umrissen , mit Auftrag quasi , geborgen in einem Ganzen .

 

65

Wie frisch vom roten Teppich : Das Gestelze ins Café Plongeoir .Das war mal ein 3-Meter-Sprungbrett über den Wellen . Neptun hält Audienz , ist ganz locker . Und Gauguin-Stehruderer staken aus der frisch schlabbrigen Bucht zum Ozean heraus . Gebräunte Tahitanerinnen mit rasierter Achselhöhle  und tiefbraunen Augen , die den Sturm besänftigen , wie Ikonen-entsprungen , Ikonen-Springer ! Weiße Plastikstühle in einer Mauernische am Privatstrand.

 

66

Werde geweckt durch Vogelgladiatoren , sie trällern durch die Garten-Arena ; Tauben gurren , monotone Trakehner ,

 

gaben

um 5 Uhr 26 alles was sie so im Wortschatz haben ,

ich eine Art Sandsack

sie mit weniger als 26 Buchstaben

Geflöte Geschnatter Geschmetter

Locken Raunen Gezeter

deklamieren insistieren volieren

im Sonderangebot

jetztjetzt nicht später

zu wenig Ohren dies zu hören

Vögel die sich über den neuen Tag empören

trommeln auf der Morsetaste

ja hier , auf diesem Aste

klopfen Schmiedehämmer

 

 

in Noten-Girlanden

Haupt-wie Nebenthema

Entquemer

der Äther lauft aus und über

melodisches Stampfen und Trampeln

Festklopfen Nägeln und Hämmern

Morsen und Horchen

Artikulation im Fieber

 

67

Auf dem Weg nach Eze-Village .

Waghalsigstes Vertrauen in Felsstürzen , in Gesteins-Festigkeit : Eine Zirkus-Nummer ! Jede Bucht ein neues Programm . Spontan-Türme , zu deren umgebenden Siedlungen Hinterrücksschleichwege führen  ; strangulierende Kurven , in denen einem Fahrschulautos entgegenkommen . Serpentinenpendel , Systole/Diastole , und auch Nietzsche ist hier herumgestiegen .

Besagte Schlucht am Chemin Nietzsche öffnet sich im Meeresblau , die Felsenbucht spitzt sich auf DICH zu ! ergibt vaginales Dreieck mit Felsabhang und Zikaden-Blues .

 

68

Vom Schmoll-Lippenstift getüncht

zu Vestalinnen-Weiß

bemüht oligarchisch

Stichwort gebend ihrem Demnächst-Greis

 

der , üppig motorisiert ,

weiß ….was zu erwarten… für DEN Preis !

der Mitfahrt im Jaguar

wer hat hier wen verführt ?

 

Sonne wie gewünscht ;

wie Melania ein Star

wurde : Auch sie verspürt  ….

verspürt auch sie…

 

das Zeug in sich

zur Monogamie .

 

69

Der Morgen danach

 

Zimperlichkeiten

am Frühstücksbuffet

ICH ? schlechte Laune verbreiten ?

Nein bittedanke , nach Ihnen

Sie stehn mir auf dem Zeh !

Immer muss man sich selber bedienen..

Nehmen Sie die Finger von meiner Frau.

Gibt’s hier noch Sardinen ?

Oder geräucherten Kabeljau ?

Bin halt ein Fischliebhaber .

Was bleibt Ihnen schon als Araber  ?

am Frühstücksbuffet

vor dem Käse ein Stau

dann nehm ich halt Tee

nur keine Zimperlichkeiten

( wie manche sich hier ausbreiten !  )

Nein bitte danke nach Ihnen

kein Schwarzer ? Dann nehm ich halt Grünen .

 

70

Siesta in Gelb-Beige , eine würdige Geste für einen alten Planeten : Es gibt im Midi viel zu erinnern , wirken zu lassen , museale Kaffees zu trinken : Ja , da war etwas ….Hängematte , Kirche , Museum .Graugelb ein guter Vorgeschmack auf später , insgesamt :

 

71

Wüstenkhakigelbmilchpastell

großer Mittags-Schatten ungrell

gedämpfte Historie

matte Euphorie

 

wagerechtes Ideal

respektvolles Integral….

Nur die Girls wie gestylt

für den Abi-Ball

 

waren alle schon wach ,vor

dem Weck-Signal .

 

72

Eine Jugendstilfassade in Nizza , Rue Buffa  : Damals  war das revolutionär : Nicht nur mit Eisen bauen , sondern das Material auch noch ostentativ fassadenbestimmend  vorzeigen : Feinziselierte Spinnweben aus blau gestrichenem Kunstschmiede- Eisen .

 

73

Habe mein Buch zuhause vergessen , stelle ich im Olivengarten á  la Gethsemane fest .Warte also  unter blauer Dauer-Grundierung , auf fettgrün bewässertem Rasen , gelehnt an Rinde , darauf , dass MICH wer liest .

 

74

Frankreich , die interessanteste Prosa seit Erfindung von Hornhaut und Schmirgelpapier .

 

75

Bergab hüpft das Decolleté

vorbei wogt der Busen

das lässt uns schmachten nach

Äpfeln…auch Aprikosen

( nicht Pampelmusen ! )

 

76

Nancy :

Siegerlächeln auf der Straße der Gentrification ; daselbst :

NOCH : Kopfstein

nicht mehr : Autos

noch : Verfall ab zweiter Etage

nicht mehr : Schuster , Waschsalon , Nachbarschafts-Oma

Siegerlächellümmel

Gentri-Hochglanz-Schimmel

der Porsche um die Ecke

( kein Auto hier auf dem Kopfstein )

Auskenner-Sonnenbrille

gerade eben noch : Studenten per Fahrrad

und unter dem Dach

der mit dem Siegerlächelgelümmel

vermisst die Etagen vor dem Himmel

 

77

Friede ist gleich :

Grenzen erkennen , Grenzen markieren , nutzen und ehren .

 

78

Um auf jenes ( mittlerweile ferne ) Vorwort zurückzukommen :

Bei Erörterung von ästhetischen , politischen und moralischen Fragen sollte man vielleicht immer zuerst schauen , welchen Beifall man von jeweils falscher Seite einheimsen wird .

Ich sehe mich also nach links und rechts um und traue mich dann hervor mit folgender Halb-These : Wie bei einem One-Night-Stand , so auch bei einer Reise !  sollte der Kenner , um hinterher noch in den Spiegel gucken zu können , genießen -und schweigen .

Also nicht aller Welt beim Grillen erzählen , dass man jetzt endlich auch mal nach XY gefahren sei , es dort aber weniger schön fand als erwartet ( und als in Z.) Und außerdem teuer .

Nein, beim notgedrungen gemeinsamen ! Hören der  H-Moll-Messe braucht der Kenner sich seiner Tränen nicht schämen , aber auch nicht seiner Wut , wenn bei Konzertende alle  Mit-Hörer meinen , nach dem Göttlichen wieder der  Banalität die Tore öffnen zu müssen , indem man – klatscht .

Und , heimgekommen von der Suche nach der nicht-okkupierten Zone , sollte man gefälligst nicht von selbigen erzählen .

Es sei denn , man wäre dazu ausdrücklich beruflich berufen wg. Dichter-Status .